Toben? Oder Kopf in den Sand?

Herz gebrochen? Diese Fehler darfst du bei Trennungsschmerz niemals machen

Ein zerbrochener Bilderrahmen mit einem Foto eines glücklichen Paares liegt auf einem Tisch, im Hintergrund eine verzweifelte Frau.
© Adobe Stock / Antonioguillem
Trennungsschmerz kann Betroffenen erst einmal den Boden unter den Füßen wegziehen.

Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, kann der Trennungsschmerz Betroffenen ganz schön zusetzen. Wie sollten sie damit umgehen? Wie viel Trauer ist gut, wie viel Abtauchen ungesund? Fachleute geben Tipps.

Wer mit seiner oder seinem Liebsten glücklich ist, schwebt im siebten Himmel – umso höher ist der Fall, wenn es zum Bruch kommt. Vor dem dann entstehenden Trennungsschmerz ist leider niemand gefeit, die Liebeskummer-Qualen können entsetzlich sein.

Tipps gegen Trennungsschmerz

Doch während manche dem Ex am liebsten die Augen auskratzen würden, verkriechen sich andere wiederum ins stille Kämmerlein, um zu leiden. Bei einigen ist der erste Schmerz schon noch Tagen vorbei, während viele noch nach Wochen kaum Besserung verspüren.

Wie verhält man sich denn am besten bei akutem Trennungsschmerz? Gibt es Tipps, die wirklich helfen? BILD der FRAU hat bei Paarberater Eric Hegmann und Liebeskummer-Coachin Silvia Fauck nachgefragt.

Schluss mit Liebeskummer: So überwindest du deinen Trennungsschmerz

BILD der FRAU: Liebe Frau Fauck, lieber Herr Hegmann, ist es sinnvoll, den Trennungsschmerz auszuleben? Oder soll man sich eher bremsen?

Paar-Therapeut Eric Hegmann | © Robert Hilton
Foto: Robert Hilton
Eric Hegmann, Paarberater aus Hamburg

Eric Hegmann: Schmerz muss raus, sonst besteht die Gefahr, dass Sie den mit in die nächste Beziehung nehmen. Wenn Sie sich aus einer Position der Schwäche heraus mit einer neuen Partnerin bzw. einem neuen Partner einlassen, wird Ihre neue Beziehung vom Start weg nicht auf Augenhöhe sein – langfristig wird das zu Problemen führen.

Liebeskummer-Coachin Silvia Fauck | © Silvia Fauck
Foto: Silvia Fauck
Silvia Fauck, Beziehungs- und Liebeskummer-Coachin in Berlin

Silvia Fauck: Wer den Schmerz nicht zulässt und stattdessen, salopp gesagt, die Sau rauslässt, muss ihn später ertragen. Er holt einen ein, vielleicht auch erst Monate später.

Welche Gefühle darf ich zulassen bzw. welche sind wichtig für die Verarbeitung, welche sind nicht "gesund"?

Eric Hegmann: Alle Emotionen sind erlaubt, allerdings nicht alle Verhaltensweisen. Es ist immer besser, Gefühlen freien Lauf zu lassen, als sie unterdrücken oder überspielen zu wollen.

Silvia Fauck: Trauer, viele Tränen, sich auch mal gehen lassen – das ist alles gut und muss sein. Auch Wut – in Maßen – ist ein Zeichen dafür, dass die trauernde Person wieder bei sich selbst angekommen und von der Ex-Partnerin bzw. Ex-Partner abgerückt ist. Nicht gut ist es, wenn Verlassene Schuld zuweisen und sich in der Opferrolle sehen.

Trennungsschmerz kann der Gesundheit schaden

Wie viel Zeit sollte ich mir für die Verarbeitung nehmen – und wie viel Zeit ist okay, um erstmal in ein Loch zu fallen?

Eric Hegmann: Liebeskummer, der mit Schwäche, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Kreislaufproblemen einhergeht, sollte nicht unterschätzt werden. Bleiben die Symptome länger als vier bis sechs Wochen, sollten Sie eine Ärztin bzw. Arzt oder eine Spezialistin bzw. einen Spezialisten aufsuchen.

Silvia Fauck: Tritt nach sechs Wochen keine Besserung ein, brauchen Sie kompetente Hilfe – die können Freundinnen und Freunde oder die Familie nicht leisten. Um sich wieder richtig zu fangen, neues Vertrauen fassen zu können, müssen Sie mit mindestens sechs Monaten rechnen.

Inwiefern kann ich mir selbst eine kleine Therapie zur Bewältigung verpassen?

Eric Hegmann: Maßnahmen, die Sie selbst ausprobieren können: Erlauben Sie sich Trauer für eine ganz bestimmte Zeit am Tag, reduzieren Sie diese dann. Stärken Sie sich und Ihren Selbstwert durch Sport. Ernähren Sie sich gesund und vitaminreich. Meiden Sie Erinnerungen, denn die werden den Schmerz immer wieder zurückholen. Verpacken Sie deshalb alle gemeinsamen Erinnerungen und verbergen Sie diese. Streichen Sie notfalls die Wohnung neu, wenn alles Sie an die bzw. den Ex erinnert.

Silvia Fauck:

  • Seien Sie nicht so streng mit sich selbst.
  • Kapseln Sie sich nicht ab – vertrauen Sie sich lieben Menschen an.
  • Schreiben Sie Ihre Gefühle auf, führen Sie ein Tagebuch – aber schicken Sie Ihre Briefe an die bzw. den Ex niemals ab!
  • Lenken Sie sich ab: Tanzen, Yoga, Sport, Malkurs, Töpfern oder gemeinsames Entspannen im Club oder auf einem Schiff wirken Wunder.

Geduld und die richtige Ablenkung können helfen

Was raten Sie? Was ist Ihr bester Tipp?

Eric Hegmann: Tun Sie etwas für andere. Beispielsweise in einem Ehrenamt. Die Dankbarkeit, die Ihnen entgegengebracht wird, stärkt Ihr Selbstwert mehr als jede Shopping-Tour oder Schlammmaske in einem Spa.

Silvia Fauck: Haben Sie Geduld! Es dauert, bis alles verarbeitet ist – und sich eine neue Liebe auftut. Denken Sie daran: Eine Trennung ist wie ein Ausnahmezustand, Sie sind quasi auf Entzug. Das braucht Zeit.

Was sollte man auf keinen Fall tun?

Eric Hegmann: Über den Bildern der bzw. des Ex sitzen und die "gemeinsamen" Songs hören. Liebeskummer sind Entzugserscheinungen, weil Ihrem Körper die gewohnten Bindungshormone fehlen. Jede Erinnerung ist ein kleiner Rückfall und verhindert die Heilung.

Silvia Fauck: Fangen Sie nicht an, die oder den Ex zu beschatten, ihr oder ihm SMS zu schicken, ihre oder seine Aktivitäten auf Facebook oder What'sApp zu verfolgen, kurz: stalken Sie sie oder ihn nicht. Und kommen Sie nicht auf die Idee, ihr oder sein Auto zu zerkratzen oder dergleichen. Das ist lächerlich und gefährlich, das sind nicht Sie! Sie erreichen damit nur Schuldgefühle bei sich – und bei der oder dem Ex die Bestätigung, mit der Trennung richtig gehandelt zu haben.

Eric Hegmann steht uns häufig als Coach beratend zur Seite. Mehr zu Silvia Fauck findest du hier.

Auch hier standen uns die zwei Fachleute bereits Rede und Antwort: 

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