Ist meine Beziehung gefährdet, wenn ich im Traum fremdgehe?

Fremdgehen führt nicht selten zum Aus einer Beziehung. Aber was ist, wenn es "nur" im Traum passiert? Was es zu bedeuten hat, ob eine Partnerschaft daran zerbrechen kann.
Wer fremdgeht, tut das in vollem Bewusstsein – mal von entschuldigenden Sätzen wie "Ich stand einfach neben mir" oder "Ich weiß nicht, wie das passieren konnte" abgesehen. Wer allerdings davon träumt, und zwar immer wieder, kann ja eigentlich nichts dafür. Oder?
Lies mal, was es bedeutet, wenn Partnerin oder Partner im Traum immer wieder betrogen werden – und ob es die Beziehung tatsächlich gefährden kann.
Fremdgehen in Träumen: Ist die Beziehung gefährdet?
Die bange Frage nach der Beziehungsgefährdung stellt sich der ein oder die andere bestimmt, wenn erotische Träume häufig wiederkehren – und zwar nicht mit dem/der Liebsten, sondern einer fremden Person oder gar mehreren. Doch die Schweizer Sexualtherapeutin Dania Schiftan findet beruhigende Worte: "Unsere Träume sind kein Barometer für unerfüllte oder tatsächliche Wünsche", sagt sie im Interview mit Cosmopolitan. Es könne zwar gelegentlich so sein, selten sei es aber tatsächlich so.
Ein herbeigeträumter Mann entstehe "durch sogenannte sexuelle Anziehungs-Codes", erklärt die Therapeutin. Sie stünden dafür, was einen anziehe und errege. Ihre Behauptung: "So einen Mann herbeiträumen zu können, ist eine Fähigkeit, die eigentlich jeder hat. Wer das bestreitet, lügt!" Anders sei es ja auch gar nicht möglich, ist sich Dania Schiftan sicher. Denn: Die Partnerin bzw. der Partner kann gar nicht alles erfüllen, was wir erregend oder anziehend finden. Es ist immer ein Kompromiss, der zwar einen Teil abdeckt, aber eben nicht alles. Und das ist auch gut so.
Erotische Träume sind völlig okay – solange sie nicht aus einer unzufriedenen Beziehung entstehen
Verwerflich? Nein, verwerftlich sind erotische Träume mit anderen Personen als dem/der Partner*in nicht, findet auch Dr. Karl Werner Ehrhardt. Im Interview mit dem Online-Magazin ze.tt sagt der Psychotherapeut und Mental-Coach, dass es aber an jeder Person selbst liegt, herauszufinden, ob und was genau das zu bedeuten hat:
"Das Schwere daran ist, dass Träume gerne Verschlüsselungscharakter haben. Das Unterbewusstsein codiert sie, um uns zu schützen. Denn im Traum gibt es streng genommen keine Realität. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes ver-rückt, Raum, Zeit und Logik fallen durcheinander – auch wenn der Traum noch so real erscheint", so der Experte.
Weil Träume in aller Regel verschlüsselt sind, sei es gar nicht einfach, den eigenen der richtigen Kategorie zuzuordnen.
Fakt ist, sagt der Psychologe: Szenen der vergangenen Tage, gepaart mit einer wie auch immer gearteten Sehnsucht, könnten im Traum eine bunte Mixtur ergeben, auch erotisch gefärbt. Das habe aber kaum mit dem real Erlebten zu tun. Lasse die Zufriedenheit in der eigenen Beziehung allerdings zu wünschen übrig – gerade auch im sexuellen Sinne –, sollten regelmäßige Erotikträume schon hinterfragt werden.
Traum vom Sex mit der/dem Ex? Kein Grund, an der Beziehung zu zweifeln
Brigitte Holzinger, Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien, unterscheidet im Magazin "Rundschau Online" bei erotischen Träumen zwischen drei unterschiedlichen Personengruppen:
- Die Sex-Partnerin bzw. der Sex-Partner ist eine bekannte, aber nicht intim vertraute Person: Das kann auf einen Wunsch nach mehr Nähe zu diesem Menschen deuten, was aber nicht sexueller Natur sein muss. Ein solcher Traum kann zeigen, dass man bestimmte Eigenschaften dieser Person bewundert.
- Sex mit der/dem Ex: Dabei muss es gar nicht unbedingt um die/den Ex gehen, sondern es könnte auch sein, dass alte Verhaltensmuster in der aktuellen Beziehung gerade wieder aufleben.
- Sex mit einer fremden Person: Auch hier geht es oft nicht um den Sex an sich, sondern mehr um die eigene Persönlichkeit, Vorlieben oder Gefühle, die man ausleben möchte, es in der Realität aber nicht kann oder sich nicht traut.
Und was, wenn die sexuelle Anziehung eben nicht mehr so ist, wie sie mal war – und erotische Träume deshalb vorkommen? Dann, sagt Sexualtherapeutin Dania Schiftan, muss etwas Anderes zum Tragen kommen, das "einen mehr verbindet als die perfekte sexuelle Anziehung. Nämlich Liebe!" Denn "die Fähigkeit zu lieben, ist etwas ganz anderes, als die Fähigkeit, sich das zu erträumen, was einen erregt."
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