Der Asiatische Laubholzbockkäfer – Vorsicht vor dem Baumkiller

Ursprünglich stammt er, logisch, aus Asien. Mittlerweile aber ist der Asiatische Laubholzbockkäfer auch hierzulande heimisch geworden. Der Krabbler wirkt eher harmlos, doch was er in unseren Laubwäldern anrichtet, ist erheblich.
Sein Äußeres lässt ihn eher harmlos erscheinen – doch für viele Laubbäume stellt der Asiatische Laubholzbockkäfer eine ernsthafte Gefahr dar. Seit einigen Jahren breitet sich das als Neozoon eingestufte Insekt in Deutschland aus und zwingt die Behörden zu drastischen Maßnahmen wie flächendeckenden Baumfällungen.
Asiatischer Laubholzbockkäfer: Zerstörer mit hübscher Fassade
Der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) stammt ursprünglich aus Ostasien. Als sogenannter Neozoon wird er durch menschliches Handeln in Gebiete eingeschleppt, in denen er natürlicherweise nicht vorkommt – und sorgt dort für massive Schäden.
Eine gute Nachricht gibt es aus Bayern: Dort wurde kürzlich die letzte Quarantänezone in Miesbach aufgehoben – und das fünf Jahre nach dem letzten dokumentierten Fund. Damit ist das Bundesland nach zwei Jahrzehnten offiziell frei vom ALB. Die Bekämpfung des Schädlings war allerdings teuer: Rund 74 Millionen Euro kosteten die Maßnahmen in sieben betroffenen Zonen.
Während die Menschen in Bayern also wieder aufatmen können, wurde ein bereits bestehendes Quarantänegebiet in Sachsen-Anhalt sogar gerade erweitert. Dort fielen bereits Tausende Laubbäume dem präventiven Fällen zum Opfer, um die weitere Ausbreitung des Käfers zu stoppen.
Auch diese Schädlinge sind relativ neu unterwegs:
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Kompakter Steckbrief des Holzschädlings
Der ALB trägt einen schwarzen, mit hellen Punkten versehenen Körper und wird bis zu vier Zentimeter lang. Besonders auffällig sind seine langen, in elf Abschnitte gegliederten Fühler, die fast doppelt so lang wie der Körper werden können. Die Weibchen legen rund 30 Eier pro Tier direkt in Baumrinden ab – für jedes Ei wird eine kleine Einkerbung in den Baum gebohrt. Diese dient später den Larven als Brutkammer. Besonders beliebt für die Eiablage sind Astverzweigungen und andere Schwachstellen im Holz.

Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Larven und fressen sich durch das Innere des Baumes. Ihre Entwicklung umfasst elf Stadien und dauert in der Regel ein bis zwei Jahre. Während dieser Zeit leben sie geschützt im Holz. Danach folgt der sogenannte Reifungsfraß – die Käfer dringen dann auch an die Baumoberfläche vor.
Die Käfer sind kälteempfindlich und überleben den Winter in der Regel nicht, die Larven dagegen schon. Dafür verpuppen sie sich im Stamminneren, da hier wärmere Temperaturen herrschen. Im Frühjahr können sie dann als ausgewachsene Käfer schlüpfen.
Während adulte Käfer in kalten Wintern erfrieren, überleben die Larven geschützt im Stamm. Dort verpuppen sie sich und schlüpfen im darauffolgenden Frühling.
Warum sich der Käfer so stark verbreiten kann
Der Asiatische Laubholzbockkäfer hat kaum natürliche Feinde, was seine Ausbreitung natürlich begünstigt. Bekannt sind einige Schlupfwespenarten, die ihre Eier in den Larven des Käfers ablegen. Auch einige räuberische Käferarten gehören laut der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zu den wenigen natürlichen Feinden des Asiatischen Laubholzbockkäfers. Und der Specht: Er verspeist die abgelegten Eier oder Junglarven.
Da die Laubholzbockkäfer aber ihre meiste Zeit geschützt im Holz verbringen, ist die Wirkung dieser Feinde nicht so groß.
Warum chemische Mittel nicht helfen, welche Maßnahmen greifen
Bekämpfung mit Insektiziden? Keine gute Idee – und in diesem Fall auch wirkungslos. Denn selbst gezielte Gießverfahren oder das Injizieren von Insektengift erreichen die tief im Holz lebenden Larven kaum.
Um eine weitere Einschleppung zu verhindern, gelten strenge Einfuhrregelungen. Verpackungsholz muss entweder erhitzt oder chemisch behandelt werden, um mögliche Schädlinge abzutöten. Zudem ist eine Voranmeldungspflicht bei der Anlieferung solcher Waren vorgeschrieben.

Ebenfalls ein Mittel im Kampf gegen den ALB ist die präventive Fällung: Alle Laubbäume im Umkreis von 100 Metern um einen befallenen Baum werden ebenfalls gefällt – auch wenn sie augenscheinlich gesund sind. Speziell ausgebildete Spürhunde unterstützen die Suche nach Larven und Käfern im Holz.
Auch Pheromonfallen kommen zum Einsatz. Sie locken ausgewachsene Käfer an, die dann in der Falle verenden. Für die alleinige Bekämpfung reichen diese Lockstoffe jedoch nicht aus – sie dienen vor allem der Früherkennung.
Nicht nur Deutschland betroffen
Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist nicht nur bei uns ein Problem – auch in Österreich, Frankreich und der Schweiz sind Laubbäume gefährdet. Um eine grenzüberschreitende Ausbreitung zu verhindern, hat die EU entsprechende Maßnahmen verabschiedet. Diese sehen unter anderem die Festlegung von Befalls- und Pufferzonen sowie gezielte Maßnahmen wie Fällen, Häckseln und Verbrennen vor.
30 Prozent der Bäume könnten verschwinden
Besonders alarmierend: Der Käfer befällt nicht nur geschwächte, sondern auch kerngesunde Bäume. Wird er nicht effektiv eingedämmt, könnten laut Expert*innen bis zu 30 Prozent des Baumbestandes vernichtet werden.
Der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Noch gravierender sind die möglichen ökologischen Folgen: Viele Pflanzen- und Tierarten sind auf Laubbäume angewiesen. Darüber hinaus können morsche Äste oder ganze Bäume umstürzen – eine reale Gefahr für Menschen in Parks und Wäldern. Deshalb müssen befallene Bäume gefällt, gehäckselt und verbrannt werden.
Diese Bäume sind besonders betroffen
Fast alle Laubbaumarten sind potenziell gefährdet, doch besonders häufig werden laut der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft folgende Arten befallen:
- Ahorn
- Birken
- Pappeln
- Rosskastanien
- Weiden
- Esche
- Linde
- Hainbuche
- Blasenbaum
- Haselnuss
- Platane
- Buche
- Ulme
- Erle
- Kuchenbaum
So erkennst du einen Befall
Typisch für einen Befall sind die Einbohrlöcher am Stamm. Daneben oder darüber findet sich in der Regel noch das Ausbohrloch, das einen Durchmesser von ca. einem Zentimeter hat. Wer an den Öffnungen des Einbohrlochs außerdem kleine Holzspäne erkennt, könnte auf das Treiben des Asiatischen Laubholzbockkäfers gestoßen sein.
Auch am Austritt des Baumsaftes an der Rinde lässt sich ein Befall feststellen. Außerdem schwirren um diesen Saft häufig vermehrt Wespen und Hornissen herum.
Meldepflicht bei Verdacht
Der Asiatische Laubholzbockkäfer unterliegt der gesetzlichen Meldepflicht. Wer also Anzeichen eines Befalls bemerkt oder den Verdacht hegt, muss dies umgehend den zuständigen Behörden wie dem Pflanzenschutzdienst, der Forstverwaltung oder dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten melden.
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