Skurrile Sex-Tipps aus dem 19. Jahrhundert: "Stellen Sie sich tot!"
Sex-Ratgeber gab es schon immer. Heute lesen sich diese aber mehr als seltsam. Über diese Sex-Tipps aus dem 19. Jahrhundert können wir heute nur noch lachen...
Dass sich die Menschheit in Sachen Sexualität in den letzten Jahrhunderten keineswegs stetig weiterentwickelt hat, dürfte vielen inzwischen bekannt sein. Finster war es nicht nur im Mittelalter, sondern offensichtlich auch noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Diese Sex-Tipps sind wirklich, nun ja, kurios.
Während in der Antike sexuelle Ausschweifungen gang und gäbe waren und man das Liebesspiel mit all seinen Facetten im alten Rom oder Griechenland noch ausgiebig zelebriert hatte, setzte mit der Verbreitung des Christentums eine Periode der Lustfeindlichkeit ein. Hatte man früher den Sexualakt auch mit mehreren Personen oder mit dem gleichen Geschlecht vollzogen, war dieser der jetzt vorherrschenden Überzeugung nach ausschließlich zur Sicherung von Nachwuchs reserviert…
So geht Sex: Tipps und Tricks aus dem 19. Jahrhundert
Diese Auffassung hielt bis ins 19. Jahrhundert an. Ansonsten war das Thema mit einem Tabu belegt, Aufklärung war quasi nicht existent. Wie das mit den Kindern aber genau funktionierte, mussten viele frisch verheiratete Paare auf eigene Faust herausfinden – das sorgte mitunter für traumatisierende Erfahrungen in der Hochzeitsnacht. Wie sollte es auch anders sein, wenn natürliche Triebe, eine restriktive Sexualmoral, Angst, Aufregung und absolute Unwissenheit zusammentrafen?
Glücklicherweise entschieden einige kluge Köpfe bald, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Um die Gründung einer Familie zu gewährleisten, brauchte es offensichtlich eine Anleitung: Das Genre der Sex-Ratgeber war geboren!
Vorsicht, gefährlich! Sex und das Rückenmark
Nicht wenige versuchten sich an der literarischen Sexualerziehung – nach vielfältigen Herangehensweisen an die Thematik suchte man trotzdem vergeblich. Nach wie vor lautete das Ziel des Akts: Kinder zeugen! Und sich ansonsten beim Sex bitte schön möglichst sittlich verhalten…
Dr. Karl Weißbrodt veröffentlichte 1879 das Aufklärungsbuch "Die eheliche Pflicht". Dieses richtete sich an junge, frisch verheiratete Paare, die darüber in Kenntnis gesetzt werden sollten, was auf sie zukam. In diesem Sinn beginnt das Buch mit einem Hinweis darauf, dass "eigenartiges Verhalten" zum Zwecke der Zeugung ausdrücklich gutzuheißen sei – es ist zu hoffen, dass dieser Hinweis wenigstens das ein oder andere Paar etwas beruhigen konnte.
Zwei Mal hintereinander Sex zerstört den Mann
Alles in allem gab sich Weißbrodt alle Mühe, Aufklärung zu betreiben, blieb dabei allerdings ganz ein geistiges Kind des 19. Jahrhunderts. Seiner Meinung nach war es die alleinige Sache des Mannes, den Geschlechtsverkehr zu initiieren. Seine Frau hatte folgsam mitzumachen, sollte dabei allerdings im Hinterkopf behalten, dass allzu häufiger Sex beim Mann zu Schädigungen des Gehirns und des Rückenmarks führen könne. Absolut verboten war es, zwei Mal hintereinander Sex zu haben. Das würde das Nervenkostüm des Mannes vollends zerstören.
"Stellen Sie sich tot!" – Tipps von Frauen für Frauen
Auch im englischsprachigen Raum sah es in puncto Lust nicht viel anders aus. Der viktorianische Sexualforscher Dr. William Acton veröffentlichte 1867 das Buch "Die Funktionen und Störungen reproduktiver Organe" – nicht gerade ein Titel, der das sexuelle Verlangen anregt… Acton war fest davon überzeugt, dass Selbstbefriedigung tödlich sei und Frauen den Akt am liebsten komplett aus ihrem Leben verbannen würden, wäre da nicht die starke Sehnsucht nach niedlichen Babys.
"Die meisten Männer sind von Natur aus pervers"
Falls du nun gehofft hast, dass Frauen der schönsten Nebensache der Welt gegenüber etwas aufgeschlossener gewesen wären, liegst du leider falsch. Tatsächlich toppt der 1894 erschienene Ratgeber "Sex-Tipps für Eheleute" der amerikanischen Pastorengattin Ruth Smythers die Schriften der hier erwähnten Herren sogar noch. Du glaubst uns nicht? Bitte schön: Wir haben die besten Tipps für dich zusammengetragen!
Auszüge aus Ruth Smythers "Sex-Tipps für Eheleute":
- "Erlauben Sie höchstens zwei sexuelle Begegnungen pro Woche – tun Sie im Lauf der Jahre ALLES, um die Häufigkeit zu reduzieren!"
- "Die meisten Männer sind von Natur aus pervers. Wenn man es ihnen erlaubt, versuchen sie, die widerlichsten Praktiken auszuüben, beispielsweise das Küssen Ihres weiblichen Körpers sowie das Angebot, ihren ekligen Körper zu küssen."
- "Für viele Männer ist die Ruhe nach dem Sexualakt besonders befriedigend. Sorgen Sie deshalb dafür, dass er diese Ruhe nicht bekommt!"
- "Erlauben Sie Ihrem Mann niemals, ihren unbekleideten Körper zu sehen. Auch Sie sollten seinen unbekleideten Körper niemals zu sehen bekommen."
- "Ziehen Sie Ihr Nachthemd während des Akts nicht aus."
- "Verhalten Sie sich im Ehebett ganz still und schalten Sie das Licht aus, damit Ihr Mann sie nicht findet. Sollte er sich Ihnen annähern, stellen Sie sich tot."
Ganz schön harte Kost, oder? Das Buch gibt es übrigens immer noch zu kaufen, Bewertungen auf einschlägigen Portalen zeugen allerdings davon, dass es nicht als ernsthafter Ratgeber konsumiert, sondern eher als Scherz-Geschenk erworben wird. Immerhin...
- Nicht nur in anderen Zeiten wurde, auch in anderen Ländern wird das Liebesspiel unterschiedlich gehandhabt: Kennst du Sex auf Italienisch, Arabisch, Spanisch und Co?
- Auch wenn sich das schwer eintüten lässt, aber: Wie lange soll guter Sex eigentlich dauern? Du wirst überrascht sein...
- Und auch wir Menschen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse – Stichpunkt Demisexualität: DAS gehört für Betroffene beim Sex unbedingt dazu!